Gaskostenbremse
Die Gaskostenbremse - eine vereinfachte Darstellung
Im März 2023 führte die Bundesregierung die so genannte "Gaspreisbremse" rückwirkend zum 1.1.2023 ein. Diese Maßnahme soll die finanzielle Belastung der Haushalte angesichts steigender Gaspreise aufgrund des Angriffs Russlands auf die Ukraine mindern. Der Preisanstieg ist Folge der Beendigung der Gaslieferungen aus Russland an Deutschland und damit der Verknappung des Angebots.
Eine "Gaspreisbremse" wurde ursprünglich von Isabella Weber vorgeschlagen, umgesetzt wurde jedoch schließlich eine Variante, die besser mir "Gaskostenbremse" beschrieben ist und weitgehend einem Vorschlag von Veronika Grimm entspricht (F.A.S. vom 4. September 2022).
Die folgende Darstellung bildet die Gaskostenbremse als nummerisches mikroökonomisches Modell ab. Durch die Wahl verschiedener Parameter kann die Wirkung der Maßnahme intuitiv erfasst werden.
ANNAHMEN
Beschreibung des zweistufigen deutschen Gasmarktes:
- erste Stufe: monopolistischer Importeur ("Gasprom"), der an lokale Gasversorger verkauft
- zweite Stufe: lokale Gasversorger als monopolistische Anbieter für die Konsumenten
Zur Vereinfachung wird ein Wettbewerbsmarkt auf der zweiten Stufe angenommen. Die Angebotsfunktion der lokalen Versorger entspricht vereinfachend dem Monopolpreis des Importeurs.
Preismechanismus:
- Konsumenten bezahlen den Gaspreis, , bis zur Menge, die 80% des Vorjahresverbrauchs entspricht
- Wenn der Konsum 80% des Vorjahreskonsums übersteigt. wird für diese zusätzliche Menge der Marktpreis, verrechnet.
- Lokale Versorger erhalten für jeden Kunden eine Subvention in Höhe der Differenz zwischen einem Referenzpreis und 12 (ct/KWh) multipliziert mit 80% vom Vorjahreskonsum des jeweiligen Kunden.
- Kunden, die weniger als 80% des Vorjahreskonsums verbrauchen, erhalten als Subvention, das Produkt aus diesem Minderkonsum multipliziert mit der Differenz .
Es seien weiterhin
die gleichgewichtige Marktmenge vor der Angebotsverknappung und die Menge des Vorjahresverbrauchs
der gleichgewichtige Marktpreis vor der Angebotsverknappung
die Angebotsfunktion vor der Angebotsverknappung
das Angebot nach der Verknappung
die Nachfrage vor der Verknappung
die Nachfrage nach der Verknappung
Es gilt:
falls
Die verschiedenen Einflüsse auf die Gaskostenbremse können mit drei ausgewählten Parametern simuliert werden:
- Änderung der Nachfrage, je nach Wetter (kälter: stärkere Nachfrage, wärmer: geringere Nachfrage)
- Wahl des Referenzpreises
- Ausmaß des Angebotsshocks
Gaskostenbremse
Aufgaben
1. Überlegen Sie folgende Varianten des Modells und beschreiben Sie, wie diese abgebildet werden könnten:
1.1. An die Stelle der Angebotsfunktion im Wettbewerb tritt das Monopolangebot.
1.2. Beide Marktstufen werden berücksichtigt.
2. Der Generalimporteur ging Konkurs und wurde durch den deutschen Bundesstaat ersetzt. DIe lokalen Gasversorger sind überwiegend im Eigentum von Kommunen und Landkreisen. Interpretieren Sie unter diesen Gescihtspunkten die in der Grafik abgebildeten "Verluste"!
3. Beschreiben Sie den Unterschied zwischen Gaskostenbremse und Gaspreisbremse anhand der Grafik!
4. Erläutern Sie, warum die Gaskostenbremse als sozial unausgewogen kritisiert wurde! Welche ökonomischen Prinzipien wogen aus Sicht der vorbereitenden Expertenkommission schwerer?
5. Vergleichen Sie die obige Simulation mit den Argumenten in Lukas Brunniger et al.: The gas price brake increases gas prices: Empirical evidence . Worin unterscheiden sich die beiden Analysen bezüglich Fragestellung und Ergebnissen?
Rückmeldungen, Lob usw.:
Rückmeldungen nehme ich gerne entgegen.
Christian Mueller